KI, DIGITALE ENTROPIE UND DIGITALER INZest

Die Diskussion rund um Künstliche Intelligenz wird derzeit mit einer gefährlichen Verkürzung geführt.
Überall geht es um Tools, Automatisierung, Geschwindigkeit, Skalierung.


Was dabei untergeht: KI ist kein Innovationsmotor. Sie ist zunächst ein Routinebeschleuniger. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.


Wer nicht sauber trennt zwischen Routine und echter Neuerung, läuft Gefahr, seine Organisation hochproduktiv in die Bedeutungslosigkeit zu optimieren.  

Digitale Effizienz

Noch vor zwei Jahren war es ein Vorsprung, wenn ein Unternehmen Prozesse digitalisiert hatte.

Heute nutzen alle dieselben Modelle, Plattformen und Automatisierungen.


Das Ergebnis:

  • Präsentationen entstehen schneller.
  • Kampagnen werden günstiger produziert.
  • Inhalte skalieren mühelos.


Aber: Das können Ihre Wettbewerber genauso. KI demokratisiert Produktivität. Sie nivelliert Unterschiede.


Der Wettbewerb verschiebt sich damit weg von der Frage:

"Wer arbeitet schneller?"

hin zu

"Wer denkt eigenständiger?"

Digitale Demenz

Viele Unternehmen lagern nicht nur Arbeit, sondern (vermeintlich) auch Denkarbeit aus:

  • Strategie-Slides werden generiert statt entwickelt.
  • Texte werden erstellt statt durchdacht.
  • Positionierungen werden errechnet statt entschieden.


Kurzfristig spart das Zeit. Langfristig verlernen Organisationen genau das, was sie unterscheidbar macht: Urteilskraft.


Man könnte sagen: Es droht eine digitale Demenz.

Nicht, weil Menschen weniger intelligent wären, sondern weil kognitive Muskelarbeit systematisch ersetzt wird.

DigitaleR INZEST

KI-Systeme werden zunehmend mit Inhalten trainiert, die bereits von KI erzeugt wurden. Texte speisen Texte, Modelle trainieren Modelle. Ableitungen ersetzen Ursprung.


Ein geschlossener Wissenskreislauf entsteht – oder drastischer formuliert: digitaler Inzest.


Was fehlt:

- eigene Erfahrung

- echte Kundeninteraktion

- originäre Gedanken

- Widerspruch

- Irrtum


Ohne diese Impulse reproduziert das System nur vorhandene Muster – ebenso sauber wie gleichförmig und im besten Wortsinn durchschnittlich.

intellektuelle entropie - 1+1=1

In der Thermodynamik beschreibt Entropie den Zustand, in dem sich Energie gleichmäßig verteilt hat:
Keine Unterschiede, keine Spannung, keine Bewegung. Das System ist als Endzustand stabil – und tot.


Übertragen auf Unternehmen bedeutet steigende intellektuelle Entropie:

  • Alles ist plausibel.
  • Alles folgt bekannten Mustern.
  • Nichts widerspricht mehr.
  • Alle Ecken und Kanten sind glattgebügelt - und damit konturlos wie ein Stück Seife.


Und genau Widerspruch ist die Quelle bzw. notwendige Bedingung von Erkenntnis.

KI liefert damit exakt das nicht, was zurecht conditio sine qua non für Fortschritt ist: Synergie.

Im Gegenteil, in der Welt der KI gilt 1 +1 = 1.

Karl Popper und Erkenntnis aus Irrtum

Der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper erklärte Fortschritt nicht über Bestätigung, sondern über Falsifikation.


Wissen entsteht durch:

  • Hypothesen
  • Kritik
  • Realitätstests
  • das Risiko, falsch zu liegen


KI hingegen arbeitet statistisch, minimiert Abweichung und erzeugt damit keine echten Erkenntnisse.

KI ALS Führungsfrage

KI ist kein Tool-Thema. Es ist eine Führungsentscheidung.


In einem kompakten Strategietermin analysieren wir:

  • Wo KI echte Effizienz schafft
  • Wo Differenzierung erhalten bleiben muss
  • Welche Prozesse aus Effizienzgründen automatisiert werden – und welche aus Gründen der Differenzierung bewusst nicht.